Die Vorgängerin der Karlsbrücke, die Judithbrücke aus dem 12. Jahrhundert, wurde 1342 bei einem Hochwasser zerstört. Daraufhin beauftragte Karl IV. Peter Parler, den Baumeister des Veitsdoms auf der Prager Burg, anstelle der zerstörten Brücke eine neue zu errichten. Der König zog auch Astrologen hinzu. Sie sollten den günstigsten Zeitpunkt für den Baubeginn berechnen.

Foto der Karlsbrücke und des Altstädter Brückenturms in Prag

Daher wissen wir auf die Minute genau, wann mit dem Bau der Karlsbrücke begonnen wurde: am 9. Juli 1357 um 5:31 Uhr morgens. Schreiben wir das Datum und die Uhrzeit als „1357 9 7 5 31“, lässt sich die Ziffernfolge von links nach rechts genauso lesen wie von rechts nach links. Man glaubte, eine solche magische Formel würde der Brücke zu einem möglichst langen Bestand verhelfen.

Die Bauarbeiten wurden zu Beginn des 15. Jahrhunderts abgeschlossen. Von Turm zu Turm misst die Brücke 516 Meter, ihre Breite beträgt 9 Meter.

Die Brücke hat drei Türme: zwei auf der Kleinseite und einen auf der Seite der Altstadt. Der niedrigere der beiden Kleinseitner Brückentürme ist romanisch und hat eine Renaissancefassade. Er gehörte zur alten Judithbrücke. Der höhere wurde im 15. Jahrhundert nach dem Vorbild des Altstädter Brückenturms errichtet.

Foto der Kleinseitner Brückentürme an der Karlsbrücke

Der Altstädter Brückenturm wurde im 14. Jahrhundert von Peter Parler erbaut. An der dem Kreuzherrenplatz zugewandten Fassade hat sich der reiche gotische Schmuck erhalten. Vergessen Sie beim Durchschreiten des Turms nicht, nach oben zu schauen. An den Gewölben sind Malereien vom Ende des 14. Jahrhunderts erhalten, und der Schlussstein hat die Form der Wenzelskrone. Der Schmuck an der zur Brücke gerichteten Fassade wurde beim Angriff der schwedischen Truppen auf Prag im Jahr 1648 vollständig zerstört. Die Schweden konnten damals das linke Moldauufer erobern. Ihr Versuch, über die Brücke in die Altstadt vorzudringen, scheiterte jedoch.

Foto des Denkmals Karls IV. in Prag

Die Statue vor dem Turm zeigt keinen Geringeren als Karl IV., den böhmischen König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Das Denkmal wurde zum 500. Jahrestag der Gründung der Karlsuniversität errichtet. Die weiblichen Figuren rund um den Sockel sind allegorische Darstellungen der vier Fakultäten: Theologie, Medizin, Jura und Philosophie.

Die Karlsbrücke wird oft als Galerie unter freiem Himmel bezeichnet. Die meisten ihrer Heiligenfiguren entstanden im 18. Jahrhundert, zur Zeit des Barocks. Insgesamt sind es dreißig.

Die beliebteste Statue auf der Brücke zeigt den heiligen Johannes von Nepomuk. Sie wurde 1683 nach einem Modell von Johann Brokoff gegossen und ist die älteste Statue auf der Brücke. Sie erkennen den Heiligen an den fünf Sternen seines Heiligenscheins. Und an den vielen Touristen, die sich vor ihm drängen... Der Legende nach war Johannes von Nepomuk der Beichtvater von Königin Sophie, der Gemahlin Wenzels IV. Weil er sich weigerte, dem König den Inhalt ihrer Beichte zu verraten, wurde er gefoltert und von der Brücke in die Moldau gestürzt. Es heißt, wer die Figur des heiligen Johannes von Nepomuk auf dem Relief berührt und sich dabei etwas wünscht, dem geht dieser Wunsch ganz bestimmt in Erfüllung.

Foto der Statue des heiligen Johannes von Nepomuk auf der Karlsbrücke in Prag

Etwa in der Mitte der Brücke befindet sich außerdem ein Kreuz an der Brüstung. Es markiert die Stelle, an der der Heilige in den Fluss gestürzt wurde. Auch hier ist es Brauch, sich etwas zu wünschen. Legen Sie Ihre Hand auf das Kreuz und wünschen Sie sich noch etwas.

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