Schloss Konopischt (Konopiště) bei Prag gehört zu den interessantesten Schlössern Tschechiens. Eine bewegte Geschichte, prachtvolle Innenräume und eine wunderschöne Landschaft machen seinen Reiz aus. Ob Sie die prächtige Residenz des einstigen Thronfolgers besichtigen, exotische Pflanzen in den Gewächshäusern des Rosengartens entdecken oder durch den weitläufigen englischen Landschaftspark spazieren möchten: Hier findet jeder etwas nach seinem Geschmack.

Wie kommen Sie am besten nach Konopischt? Wann lohnt sich ein Besuch besonders? Welche Führung durch die Innenräume sollten Sie wählen? Die Antworten finden Sie in diesem Artikel.

Wie kommen Sie von Prag nach Konopischt?

Mit dem Auto

Am bequemsten erreichen Sie Konopischt von Prag aus mit dem Auto. Die Fahrt dauert in der Regel etwa 40 Minuten. In der Nähe des Schlosses gibt es einen großen Parkplatz; die Parkgebühr beträgt rund 60 Kronen. Für einen Tagesausflug können Sie den Besuch von Konopischt auch mit einem Abstecher nach Kuttenberg (Kutná Hora) verbinden.

Schlossfassade und angrenzender Park in Konopischt.

Mit dem Bus

Wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Prag nach Konopischt reisen möchten, nehmen Sie einen Bus in die Kleinstadt Beneschau (Benešov). Die Linien 401 und 406 fahren an der U-Bahn-Station Roztyly ab. Bis zur Haltestelle Benešov Terminal dauert die Fahrt etwas mehr als 30 Minuten und kostet etwa 3 Euro. Mit der App Lítačka oder auf der Website von IDOS finden Sie eine passende Verbindung für Ihren Reisetag. Vom Busbahnhof in Beneschau sind es 2,4 Kilometer bis zum Schloss. Sie können ein Taxi nehmen, mit einem örtlichen Bus bis zur Haltestelle Benešov Konopiště fahren oder in etwa 40 Minuten zu Fuß gehen.

Organisierte Ausflüge

Sie können auch eine private Tour von Prag nach Konopischt buchen oder sich einem Gruppenausflug anschließen. Die verfügbaren Angebote können Sie auf GetYourGuide.com oder viator.com ansehen und direkt buchen.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch in Konopischt?

Wie die meisten Schlösser in Tschechien bleibt auch Konopischt in den Wintermonaten geschlossen. Besichtigungen sind von Anfang April bis Ende Oktober möglich. Einige Führungen werden auch an den Wochenenden im November angeboten. Beachten Sie außerdem, dass das Schloss montags stets geschlossen ist. Die aktuellen Öffnungszeiten prüfen Sie am besten auf der offiziellen Website des Schlosses.

Ein kurzer Blick in die Geschichte von Konopischt

Konopischt wurde Ende des 13. Jahrhunderts von Tobias von Beneschau, einem einflussreichen böhmischen Adligen, gegründet. Ursprünglich war es eine gotische Burg mit mächtigen Befestigungsanlagen. Sieben massive Türme schützten die Anlage vor Angriffen.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Burg mehrfach den Besitzer und wurde wiederholt umgebaut. Anfang des 17. Jahrhunderts entstand durch einen Umbau im Renaissancestil aus der mittelalterlichen Anlage eine komfortable und elegante Residenz. Im 18. Jahrhundert folgten barocke Umbauten, die den Wohnräumen noch mehr Pracht verliehen.

Schlosspark mit einem erhaltenen Turm im Hintergrund.

1887 kaufte Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der spätere österreichisch-ungarische Thronfolger, Schloss Konopischt. Er ließ es umfassend umbauen und verwandelte es in eine prächtige Residenz. Dabei wurde das Schloss mit Strom, einer Zentralheizung und sogar einem Aufzug ausgestattet. Der Erzherzog trug außerdem umfangreiche Sammlungen von Kunstwerken, Möbeln und Jagdtrophäen sowie eine beeindruckende Waffensammlung zusammen.

1900 heiratete Franz Ferdinand die Gräfin Sophie Chotek. Die beiden gingen eine morganatische Ehe ein. Sophie gehörte als Gräfin zwar dem Adel an, galt aber als nicht ebenbürtig. Sie erhielt deshalb nicht denselben Rang und dieselben Vorrechte wie Franz Ferdinand, und ihre gemeinsamen Kinder waren von der österreichisch-ungarischen Thronfolge ausgeschlossen. Aus diesen und weiteren Gründen lebte die Familie lieber auf Konopischt als in Wien. Heute können Sie die Privatgemächer Franz Ferdinands, Sophies und ihrer Kinder im Rahmen einer Führung besichtigen.

Innenhof von Schloss Konopischt.

1914 reisten Franz Ferdinand und Sophie nach Sarajevo, wo sie von einem Mitglied einer serbischen nationalistischen Vereinigung erschossen wurden. Das Attentat gab den Anlass zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns im Jahr 1918 ging Konopischt 1921 in den Besitz des neu gegründeten tschechoslowakischen Staates über. Heute beherbergt das Schloss ein Museum und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Schloss Konopischt besichtigen

Das Museum im Schloss Konopischt bietet verschiedene Führungen auf Tschechisch oder Englisch an. Im Rahmen von Gruppenausflügen ist ein Besuch auch mit russischsprachiger Führung möglich. Im Folgenden erfahren Sie, was die einzelnen Rundgänge bieten.

Gemächer im Südflügel

Bei dieser Führung besichtigen Sie die Repräsentations- und Gästezimmer mit ihren historischen Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Der Rundgang führt durch den Jagdgang mit über 800 Trophäen von Tieren, die Erzherzog Franz Ferdinand erlegt hat, und in den großen Speisesaal mit einem Deckenfresko aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im Anrichtezimmer sehen Sie ein vollständiges Service aus Meißener Porzellan für 24 Personen. Auch die Gästeappartements gehören zum Rundgang. Hier wohnten einst prominente Gäste wie die Stiefmutter des Erzherzogs, Erzherzogin Maria Theresia, und der deutsche Kaiser Wilhelm II.

Blick auf den See im Schlosspark.

Gemächer im Nordflügel

Dieser Rundgang führt Sie durch die ältesten Räume des Schlosses mit gotischen und Renaissancegewölben. Sie sehen die Kapelle, die Bibliothek, den Herrensalon mit dem orientalischen „Harem“, das Raucherzimmer und die Waffenkammer. Deren kostbare Sammlung umfasst vor allem italienische und deutsche Waffen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Auch einen Blick in den Aufzug des Erzherzogs können Sie werfen.

Ansicht von Schloss Konopischt.

Privatgemächer Franz Ferdinands und seiner Familie

Diese Führung gibt Ihnen einen Einblick in das Leben des Hochadels um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Räume wurden anhand historischer Fotografien und Inventarlisten so eingerichtet, wie sie zu Lebzeiten Franz Ferdinands von Österreich-Este aussahen. Sie besichtigen das private Speisezimmer, den Rosa Salon, das Schlafzimmer und das Badezimmer des Ehepaars, die Kinderzimmer und den Musiksalon. In den Fluren hängen Fotografien von Franz Ferdinands Reisen um die Welt.

Wenn Sie an einer dieser Führungen teilnehmen möchten, empfehle ich Ihnen, die Eintrittskarten im Voraus über die offizielle Website des Schlosses zu kaufen. Für die Besichtigung der Privatgemächer im Rahmen von Rundgang 3 ist eine Reservierung erforderlich. In der Hauptsaison sind die Karten häufig ausverkauft, besonders für englischsprachige Führungen und den Rundgang durch die Privatgemächer.

Ohne Reservierung können Sie den Schießstand des Erzherzogs in den ehemaligen Stallungen besuchen. Dort sehen Sie bewegliche Zielscheiben, eine Billardbahn und eine Sammlung von Jagdtrophäen. Das Museum des heiligen Georg in der ehemaligen Orangerie ist dagegen nur gelegentlich geöffnet. Es zeigt verschiedene von Franz Ferdinand gesammelte Gegenstände mit Darstellungen des Heiligen. Wenn Sie sich für Pflanzen interessieren, sollten Sie die Gewächshäuser mit ihren vielfältigen subtropischen Gewächsen nicht verpassen. Die Eintrittskarten für diese Angebote erhalten Sie vor Ort, eine Reservierung ist nicht erforderlich. Auch ein Spaziergang durch den weitläufigen Park lohnt allein schon den Ausflug nach Konopischt. Der Eintritt in den Park ist frei. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden Sie auf der Website von Schloss Konopischt.

Spielplatz im Schlosspark von Konopischt.