Die Prager Burg erhebt sich am linken Ufer der Moldau über die Stadt. Mit einer Fläche von fast 70.000 m² ist sie die größte Burganlage Tschechiens. Ihre Gebäude gruppieren sich um drei Haupthöfe.

Der erste Burghof

Noch vor vergleichsweise kurzer Zeit befand sich an der Stelle des ersten Burghofs ein tiefer Graben. In die Burg gelangte man nur über eine Zugbrücke. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ Nicolò Pacassi den Graben zuschütten und den Süd- und Nordflügel fertigstellen. So entstand der erste Burghof der Prager Burg. An den Gittertoren sind die Monogramme von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. aus dem Hause Habsburg zu sehen. Die kämpfenden Giganten und die kleinen Amoretten mit den Staatssymbolen, dem böhmischen Löwen und dem österreichischen Adler, sind Werke des Bildhauers Ignaz Platzer aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die wohl bedeutendste Sehenswürdigkeit des ersten Burghofs ist das Matthiastor, das zum zweiten Burghof führt. Es wurde Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet und gilt als das erste Barockbauwerk Prags.

Foto der kämpfenden Giganten am Eingang zur Prager Burg

Der zweite Burghof

Der frühbarocke Kohl-Brunnen von 1686 ist nach seinem Schöpfer benannt. Auf der obersten Vase stehen drei böhmische Löwen. Einst trugen sie auf ihren Köpfen noch einen Reichsadler. Dieses Symbol der Habsburgermonarchie wurde nach der Gründung der unabhängigen Tschechoslowakischen Republik entfernt. Gleich daneben befindet sich ein Brunnen aus dem 16. Jahrhundert. Er ist ganze 14 Meter tief, allerdings schon lange mit einer schweren Abdeckung und einem Eisengitter verschlossen.

Foto des zweiten Burghofs der Prager Burg Mit ihrem halbrunden Vorbau ragt die Heilig-Kreuz-Kapelle in den zweiten Burghof hinein. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Die beiden Statuen an ihrer Fassade, die heiligen Petrus und Paulus, schuf Emanuel Max Mitte des 19. Jahrhunderts. Der kleine Vorbau neben der Kapelle, dessen Bronzedach auf schlanken Säulen ruht, bildet den Eingang zur Präsidentenkanzlei.
Im Erdgeschoss des Nordflügels gegenüber der Heilig-Kreuz-Kapelle lagen die Renaissancestallungen. Darüber befand sich im ersten Stock die berühmte Rudolfsgalerie. Kaiser Rudolf II. versammelte die führenden Wissenschaftler, die besten Künstler und die gerissensten Scharlatane seiner Zeit um sich. Den größten Teil des Tages verbrachte er inmitten seiner Sammlungen, und er sammelte buchstäblich alles: wertvolle Gemälde, Skulpturen, technische Neuerungen und Kuriositäten der Natur. Zu seinen Schätzen gehörten mehr als 3.000 kostbare Gemälde, seltene Bücher und die erste Uhr der Welt mit Sekundenanzeige. Daneben fanden sich solche „Raritäten“ wie das Horn eines Einhorns, das Skelett eines Drachen, ein Geist in der Flasche und die Flosse einer Meerjungfrau... Die meisten Sammlungsstücke wurden 1648 am Ende des Dreißigjährigen Krieges nach Schweden gebracht. Sowohl von den Stallungen als auch von der Rudolfsgalerie sind nur die Namen geblieben. Heute dienen die Räume verschiedenen Ausstellungen.

Der dritte Burghof

Der größte Hof der Prager Burg zeigt sich heute in der Gestalt, die er in den 1920er Jahren erhielt. Damals fanden im dritten Burghof archäologische Ausgrabungen statt. Die Funde waren wissenschaftlich so bedeutsam, dass man beschloss, die Ausgrabungsstätte für die Forschung zugänglich zu halten und mit einer Stahlbetonkonstruktion zu überdecken. Jože Plečnik übernahm diese anspruchsvolle Aufgabe. Heute laufen die Besucher des dritten Burghofs also gewissermaßen auf dem Dach über den Ausgrabungen.

Foto des dritten Burghofs der Prager Burg mit dem Veitsdom

Über dem dritten Burghof erhebt sich ein 15,5 Meter hoher und 112 Tonnen schwerer Granitmonolith. Das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs wurde 1928 zum zehnjährigen Bestehen der Tschechoslowakischen Republik errichtet. Daneben steht eine Kopie der Statue des heiligen Georg. Das Original stammt aus dem Jahr 1373 und ist damit über 600 Jahre alt. Unweit der Statue befindet sich an der Außenwand des Veitsdoms ein niedriger Anbau. Durch die Gitter können Sie die Fundamentreste der Veitsbasilika sehen, der Vorgängerin des Veitsdoms.

Foto des vierten Burghofs der Prager Burg

Der vierte Burghof

Wenn Sie die Prager Burg vom Hradschiner Platz aus durch den Eingang neben dem Erzbischöflichen Palais betreten, gelangen Sie in einen kleinen, charmanten Park, der gelegentlich als vierter Burghof bezeichnet wird. Am Eingang sind stichprobenartige Sicherheitskontrollen möglich. Der Park heißt Na Baště, auf Deutsch „Auf der Bastei“. Wenn Sie durch den Torbogen in den zweiten Burghof gehen, achten Sie auf die erhaltenen Fundamente der Marienkapelle aus dem 9. Jahrhundert.

Öffnungszeiten und Eintrittskarten

Die Prager Burg ist von 6 bis 22 Uhr für Besucher geöffnet. Der Zutritt zum Burggelände ist kostenlos. Eintrittskarten benötigen Sie für den Veitsdom, den Alten Königspalast, die Gemäldegalerie der Prager Burg, die Ausstellung „Die Geschichte der Prager Burg“, die St.-Georgs-Basilika, das Palais Rosenberg und das Goldene Gässchen. Informationen zu Eintrittspreisen und den Öffnungszeiten der einzelnen Sehenswürdigkeiten finden Sie auf der Website der Prager Burg.

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