Prag war von Anfang an eine Stadt vieler Völker und Kulturen. Böhmische Chroniken des 12. Jahrhunderts berichten von wohlhabenden jüdischen Siedlungen unterhalb der Prager Burg und des Vyšehrad. Wegen häufiger Überfälle mussten die dort lebenden Juden jedoch nahe dem Weg zur wichtigsten Prager Furt einen neuen Zufluchtsort suchen. Sie durften sich nur in einem genau abgegrenzten Gebiet niederlassen. So entstand das jüdische Viertel.

Maisel-Synagoge im jüdischen Viertel von Prag

Seine Blütezeit erlebte das Prager jüdische Ghetto in der Renaissance. Damals lebte hier Mordechai Maisel. Mit seinem Geld entstanden zahlreiche Gebäude. Er unterstützte Schulen und Krankenhäuser, und auf seine Initiative hin wurden sämtliche Straßen des jüdischen Viertels mit Pflastersteinen befestigt. Zur selben Zeit wirkte Jehuda Löw ben Bezalel als Rabbiner in Prag. Der Legende nach erschuf er den Golem aus Lehm.

Mit der Zeit wuchs die Zahl der Bewohner im Ghetto, doch seine Fläche blieb unverändert. Jede freie Stelle wurde bebaut, und an den Häusern entstanden immer neue Anbauten und zusätzliche Stockwerke. Es herrschten gravierende hygienische Missstände. Auch die Reformen des Habsburgerkaisers Joseph II., die die Beschränkungen für die jüdische Bevölkerung lockerten, brachten keine Besserung der Lebensbedingungen im Viertel. Daran änderte sich auch nichts, als Juden später im gesamten Stadtgebiet wohnen durften. Die Wohlhabenderen zogen fort. Die Armen blieben.

1850 erhielt das Prager jüdische Viertel zu Ehren Josephs II. den Namen Josefstadt (Josefov). Der endgültige Plan für die Umgestaltung des Viertels wurde 1893 genehmigt. Der Großteil der Gebäude wurde abgerissen, viele Straßen verschwanden vom Stadtplan. An ihre Stelle traten neue Häuser im Stil des Historismus und des Jugendstils, neue Straßen und Boulevards. Erhalten blieben sechs Synagogen, der Alte Jüdische Friedhof und das Jüdische Rathaus. 1906 wurde das Jüdische Museum in Prag gegründet, um die Geschichte der Juden in den böhmischen Ländern zu dokumentieren.

Pariser Straße in Prag

Nach der Besetzung Prags durch Truppen des NS-Regimes wurden fast 50.000 Prager Juden in Konzentrationslager deportiert. Die Nationalsozialisten ließen aus allen Teilen der böhmischen Länder und aus den Nachbarländern Gegenstände aus jüdischen Häusern, Synagogen und Schulen nach Prag bringen. Nach der Befreiung setzte das Jüdische Museum in Prag seine Arbeit mit diesen Sammlungen fort. Heute besitzt es eine der reichhaltigsten Sammlungen jüdischer Kultur weltweit. Zu den über 40.000 Sammlungsobjekten des in den Synagogen untergebrachten Museums gehören Torarollen, Ritualgegenstände und Gegenstände des täglichen Lebens. Die Bibliothek des Museums umfasst mehr als 100.000 Bände, darunter zahlreiche wertvolle Handschriften und Frühdrucke. Informationen zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen finden Sie auf der offiziellen Website des Museums.

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