Das Loreto auf dem Hradschin zählt zu den wichtigsten Wallfahrtsstätten Prags. Sein Name geht auf das italienische Städtchen Loreto zurück. Der Legende nach trugen Engel das Heilige Haus (Santa Casa) auf ihren Flügeln aus Nazareth dorthin. In diesem Haus erschien der Jungfrau Maria der Erzengel Gabriel und verkündete ihr, dass sie die Mutter des Erlösers werden würde.

Das Prager Loreto im Winter

Das Prager Loreto verdankt seine Entstehung der Gräfin Katharina Benigna von Lobkowitz. 1626 gab sie den Bau einer Nachbildung des Heiligen Hauses auf ihrem eigenen Grundstück in Auftrag. Dafür holte sie eigens den Architekten Giovanni Battista Orsi aus Wien. Die Prager Santa Casa gilt als die originalgetreueste aller Nachbildungen des italienischen Vorbilds. Während die italienische Santa Casa im Inneren einer Basilika steht, befindet sich die Prager Kopie unter freiem Himmel inmitten eines Innenhofs.

Das Heilige Haus hat einen rechteckigen Grundriss. Seine Außenwände sind mit Stuckreliefs geschmückt, die Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria darstellen. Im Inneren befindet sich eine aus Lindenholz geschnitzte Figur der Madonna von Loreto aus dem 17. Jahrhundert.

Das Heilige Haus ist von einem Kreuzgang mit sechs Kapellen umgeben. Zum Komplex des Prager Loreto gehören außerdem die Kirche Christi Geburt, ein Turm mit Glockenspiel und eine Schatzkammer.

Die Hauptfassade des Prager Loreto

In der Schatzkammer des Loreto werden mehr als 300 kostbare Gegenstände aufbewahrt, vor allem liturgische Geräte wie Monstranzen, Kelche und kleine Altäre. Das wohl bekannteste Stück ist die mit Diamanten besetzte Monstranz „Prager Sonne“. Einer Überlieferung zufolge erhielt Gräfin Ludmila von Kolowrat 6.500 Diamanten als Hochzeitsgeschenk von ihrem Bräutigam. Dieser soll übrigens 35 Jahre jünger gewesen sein als sie. In ihrem Testament verfügte die Gräfin, dass aus den Diamanten eine Gabe für das Loreto geschaffen werden sollte. Wiener Meister fertigten eine kostbare Monstranz an und schmückten sie mit 6.222 Diamanten. Die übrigen Steine behielten die Goldschmiede als Bezahlung für ihre Arbeit. Die „Prager Sonne“ besteht aus vergoldetem Silber und wiegt 12 kg.

Das Glockenspiel des Prager Loreto

Die zum Platz gerichtete Hauptfassade des Loreto stammt von den Architekten Christoph und Kilian Ignaz Dientzenhofer. Im Uhrturm befindet sich das berühmte Carillon, ein Musikinstrument aus Glocken. Diese Glocken bleiben unbewegt. Beim automatischen Spiel werden sie von außen durch Hämmer angeschlagen, die vom Uhrwerk gesteuert werden. Beim Spiel über die Klaviatur werden die Klöppel im Inneren der Glocken bewegt. Das Carillon des Loreto besteht aus 30 Glocken, von denen allerdings nur 27 erklingen. Die drei kleinsten sind nicht an den Mechanismus angeschlossen. Während der Öffnungszeiten erklingt zu jeder vollen Stunde ein Marienlied. Die Melodie kann wechseln: Lange Zeit war „Tausendmal sei gegrüßt“ zu hören, derzeit spielt das Glockenspiel „Maria, Maria“.

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